Hier findet Ihr einen kleinen Vorgeschmack....Den Artikel mit den passenden Bildern findet Ihr später in der Vereinszeitung.


Lustige, aber ernst gemeinte Tipps für Steuerleute in Ruderbooten. Von Michael Herzog
Als ich meine Rudererkarriere begann, durfte ich erst einmal steuern: Zu klein, zu dünn, zu leicht für einen „richtigen“ Ruderer, hieß es. Also ab nach (damals nur) hinten ins Boot! Morgens Rennvierer und nachmittags Rennachter steuern! Anweisungen? Nur: Rechts ziehen, wenn Du nach rechts willst, links nach links, weißt schon! Nachdem ich das überlebt hatte, weil ich mich nicht getraut habe, anständig an den Seilen zu reißen, schien die Vorsehung meine Position im Boot für immer festgelegt zu haben.....
Im Nachhinein muß ich zugeben: Es war eine gute Schule! Habe mir die Ruderbewegung lange Zeit anschauen und einprägen können. Danach war das Erlernen technisch guten Ruderns einfach und schnell. Also war Steuern nicht so negativ wie gedacht.
Hängen geblieben und im Laufe der Jahre immer wieder angetroffen ist die stiefmütterliche Behandlung der Ausbildung der Steuerleute. Das ist mir an dieser Stelle ein Anlass, einige Erfahrungen und Ratschläge aus meiner Steuermannszeit in Form von 10 Geboten weiterzugeben:


Gebot I: Engagement
Steuerleute haben es selbst in der Hand, ob sie geliebt oder gehasst werden. Steuere möglichst schnurgerade, übersiehe keine Bojen, Schwimmer oder Schiffe und nerve die Mannschaft nicht mit unqualifiziertem Gequatsche! Sei engagiert. Das hilft, Anerkennung zu erlangen und Chef im Boot zu werden (s.u.).

 

Gebot II: Klare Kommandos
Absolut klare Kommandos sind die Basis eines erfolgreichen Steuermanns. Hierzu hilft natürlich, diese aus der Rudererwelt zu entnehmen, so daß sie eindeutig (sogar im Schlaf eines Ruderers) identifizierbar sind. Negative Beispiele siehe unten:

 

Gebot III: Das Steuerseil, dein Freund und Helfer
Reiße niemals am Steuerseil, es sei denn, das entgegenkommende Motorschiff will nicht weichen oder du willst wenden. Halte das Steuerseil immer auf Spannung, klemme es z.B. zwischen Bootswand und Daumen ein und bewege nur den Daumen für deine Steuerbewegungen, d.h., dann sind diese automatisch klein und verursachen keine große Krängung des Bootes.
Merke: Jede Bewegung des Steuers hat Einfluß auf die Krängung des Bootes. Und ein Boot, das nicht „steht“, verärgert die Mannschaft.


Gebot IV: Nutze deine Fehler
Sei immer (immer!) aufmerksam. Wenn du erkennst, dass du aus der Richtung driftest, reagiere schnell, aber nur mit kleinen Bewegungen. Wenn du die Richtung stark ändern willst, bewege das Steuer nur, wenn die Ruderblätter sich im Wasser bewegen. Das vermeidet eine zu große Krängung des Bootes und bringt die Mannschaft nicht in Unordnung. Nutze Streckenkurven, um an der Mannschaft vorbei die vor dir liegende Strecke so weit wie möglich zu „scannen“: Was ist wann und wo im Weg? Danach kannst du die vor dir liegende Strecke in möglichst wenig gerade Stücke aufteilen und entsprechend steuern.
Wenn du unnötigerweise eine Klinke in deine Steuerlinie gerissen hast, nutze die entstehende Korrekturkurve für oben beschriebenes.
Gebot V: Die Steueranlage, dein liebstes „Smartphone“
Wenn deine Steueranlage es zulässt, lass das Boot möglichst ohne Steuerbewegung laufen. Greife nur ein, wenn es unbedingt nötig ist. Aber dann sofort. Stellt sich das Steuer nicht durch die Bootsgeschwindigkeit „smartmäßig“ von selbst gerade, so ist das Einpendeln des Steuers mit aktiven möglichst kleinen Steuerbewegungen nötig. Evtl. markiere die Null-Stellung oder merke dir die Einstellung (Nutze deinen Speicherplatz im Gehirn, möglichst „ram“).


Gebot VI: Haltung im Boot
Hänge nicht im Boot herum. Bleib auf Spannung.
Stemme deine Füße in die Spannten, damit du durch die Ruderbewegung nicht ins Schwingen kommst. Und lehne dich niemals aus dem Boot oder schaukele gar. Sonst wird das Boot niemals zum „stehen“ kommen. Die Mannschaft wird es dir danken.
Gebot VII: Mitdenken
Denke für die Mannschaft mit! Checke vor dem Ablegen, wie weit die Mannschaft rudern will, ob und wann Pausen gemacht werden sollen, wie das Ruderprogramm aussehen oder ob evtl. irgendwo angelegt werden soll. Das spart lange Nachfragen während des Ruderns und unnötiges Gequatsche in der Mannschaft.


Gebot VIII: Sprechen oder nicht sprechen. Das ist hier die Frage.
Nerve die Mannschaft nicht mit unnötigem „Gelaber“, wenn du beim Renntraining nichts Konstruktives beisteuern kannst, sei besser ruhig. Damit vermeidest du ungeplantes Schwimmtraining. Dennoch: Bei Gefahr im Verzug, schreie laut! Hierbei sind die richtigen Kommandos nützlich!

Glaube nicht, die Mannschaft würde nicht merken, wenn du Fehler machst. Je nach Wichtigkeit der Fahrt wird sie laut oder leise reagieren. Verstehe Schweigen nicht als Lob!


Gebot IX: Übung macht den Meister
Mach dich mit der Strecke vertraut, wenn du sie noch nicht kennst. Dazu gibt es im Bootshaus Streckenpläne und andere Informationen, wie Schildererklärungen, evtl. aktuelle Tagesinformationen über Streckensperrungen usw.

 

Gebot X: Anlegen am Steg
Konzentriere dich besonders beim Anlegen, 45° auf den Steg zu, mit „richtiger“ Geschwindigkeit; Abschätzen, wo sich Bug befindet, so absteuern, dass sich der Bug parallel zum Steg bewegt, kurz vor Stillstand des Bootes den Steg greifen und festhalten. Bist du zu schnell, nur den Schlagmann auf stegabgewandter Seite stoppen lassen. Dann driftet das Heck an den Steg. Dann bist du Superman!
Bist du viel zu schnell, die ganze Mannschaft auf stegabgewandter Seite stoppen lassen. Bist du viel zu langsam, hoffe auf die Geduld der Mannschaft, versprich eine Runde Bier oder verlass das Boot vor dem Anlegen!

 

Wenn du die Gebote verinnerlichst und umgesetzt hast, wirst du eine Beachtung ernten, die du niemals erwartest hättest.
Dann macht es auch Spass, Steuermann zu sein!